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Warum „toleranter Glaube“ das Christentum innerlich aushöhlt

Warum „toleranter Glaube“ das Christentum innerlich aushöhlt

Christian Harb (Personen auf Bild stehen nicht in Zusammenhang mit dem Artikel)

In vielen christlichen Kreisen ist ein bestimmter Satz nahezu heilig geworden: „Hauptsache liebevoll.“ Doch dieser Satz wird zunehmend als Ersatz für Überzeugung benutzt. Das Christentum wirkt sanfter, freundlicher – aber auch leerer. Wenn Toleranz wichtiger wird als Wahrheit Toleranz ist ein wertvolles Prinzip. Doch sie wird problematisch, wenn sie jede Unterscheidung auflöst. Immer häufiger wird im christlichen Kontext nicht mehr gefragt, was wahr ist, sondern was niemanden verletzt. Klare Aussagen gelten als spaltend, Grenzen als lieblos. Das Ergebnis ist ein Glaube, der niemandem widerspricht – aber auch niemanden verändert. Warum viele Christen Angst haben, klar zu sein Klare Überzeugungen bringen Reibung. Sie führen zu Diskussionen, Ablehnung und Konflikten. In einer Gesellschaft, die Zustimmung belohnt und Widerspruch sanktioniert, wird Anpassung zur Überlebensstrategie. Viele Christen haben gelernt, ihren Glauben so zu formulieren, dass er möglichst niemanden stört – auch wenn er damit seine Substanz verliert. Ein Glaube, der alles akzeptiert, fordert nichts mehr Christlicher Glaube war nie bequem. Jesus war nicht tolerant im heutigen Sinn – er war klar. Er forderte Umkehr, Entscheidung und Konsequenz. Wo heute alles gleich gültig ist, verliert Nachfolge ihre Bedeutung. Wenn jeder Weg gleichermaßen richtig ist, wird der eigene beliebig. Liebe ohne Wahrheit wird zur leeren Floskel Liebe im christlichen Sinn bedeutet nicht, jede Entscheidung unkommentiert zu lassen. Sie bedeutet Verantwortung füreinander. Wer aus Angst vor Konflikten schweigt, handelt nicht liebevoll, sondern bequem. Wahrheit zu sagen kann verletzen – aber Schweigen aus Feigheit verletzt langfristig mehr. Warum dieses Christentum niemanden mehr begeistert Junge Menschen wenden sich nicht vom Glauben ab, weil er zu klar ist – sondern weil er zu belanglos geworden ist. Ein Glaube, der sich jeder gesellschaftlichen Strömung anpasst, unterscheidet sich kaum noch von säkularer Moral. Was keinen Preis hat, ist nicht attraktiv. Grenzen bedeuten nicht Ausgrenzung Klare Überzeugungen schließen niemanden als Menschen aus. Sie unterscheiden jedoch zwischen Annahme und Zustimmung. Das Christentum kann Menschen lieben, ohne jede Haltung zu übernehmen. Diese Differenz geht im modernen Diskurs zunehmend verloren. Warum Anpassung als geistliche Reife missverstanden wird In vielen Gemeinden gilt als reif, wer möglichst unauffällig glaubt. Zweifel werden respektiert, Überzeugungen misstrauisch beäugt. Doch geistliche Reife zeigt sich nicht darin, keine Meinung zu haben, sondern Verantwortung für das eigene Glaubensverständnis zu übernehmen. Ein Glaube ohne Konflikt ist kein lebendiger Glaube Wo Glaube relevant ist, entsteht Spannung. Wer diese Spannung permanent vermeiden will, zahlt mit innerer Leere. Christentum war nie gedacht als Konsensreligion, sondern als Einladung zur Entscheidung.

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